Georgien, die Klischees

Frühling im Kaukasus
Frühling im Kaukasus

Die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus, das Schwarzes Meer, die engen Gassen der Altstadt von Tiflis, fröhlich feiernde Georgier, der grausame Stalin, wehmütige Lieder, heiße Tänze, die scheuen Blicke der stolzen Frauen. Schewardnadze. Frisches Brot, Schaschlyk, exotisches Obst und Wein – das haben wir schon mal gehört.

Wein, Wein, Wein: Tsinandali, Saperavi, Manavi, Rkatsiteli, Ojaleshi, Khvanchkara, Tsiska, Goruli, Chinuri – über 500 Sorten kultivierten Weines kennt man hier und auch Sekt, Kognac und herrlich kühles Bier.

Das ferne Land, in dem es noch aristokratische Hungerkünstler gibt und Männer mit Charme, Esprit und Dolch und Ehre.

Georgien, buntes Reich der Kontraste an Landschaften und an Völkern. Die einen sprechen das Georgisch der Berge- wo man die Worte über die Täler hinweg singen muss, die Swanen, die Tuschen, die Chewsuren, andere, wie die Megrelier sprechen einen den Georgiern unverständlichen Dialekt.

Es gibt die großen Minderheiten der Armenier und der Aserbaidschaner im Land, es gibt Juden, Osseten, Kurden, Assyrer, Russen, Esten, Polen, Deutsche, Franzosen und es gibt die tschetschenischen Kisten. Man lebt eigentlich friedlich zusammen.

Man muss einen Film von Paradjanov schauen um den Kaukasus zu fühlen oder den Film Wie Luft zum Atmen von Ruth Olshan.

Man muss das Land auch riechen. Das helle dampfende Brot wie Halbmonde, der Schnapps, wenn er gebrannt wird, das frisch geschlagene Holz, die Erde und das süße Parfüm der Tanten.

Man muss sie hören, in Kachetien, die feiernden Melonenverkäufer am Abend unter den Alleen.

Heißes georgisches Käsebrot - Chatschapuri
Heißes georgisches Käsebrot - Chatschapuri

Wo ist dieses Land eigentlich ? Steigen Sie in Bulgarien auf ein großes Schiff und fahren Sie direkt nach Osten ans Ende des Meeres und landen Sie in Batumi, in den Subtropen der Zitrusfrüchte und mitten im georgischen Jazz.

Nehmen Sie ein gutes Flugzeug und landen Sie nach vier Stunden auf kaukasischer Erde ! Das ist die echte Welt, es gibt sie noch. Lieber sterben als die Unwahrheit sagen.

Bin ich in Russland, nein, in der Türkei, nein, wo bin ich ? In Georgien. Europa ? Asien ? Wir lassen das unbeantwortet.

Oder nehmen Sie eine Weltkarte und zeichnen ein Kreuz darüber, im Zentrum – Georgien, das Paradies !

Der Kaukasus kann ein Spiegel sein, wer hat den Mut hineinzuschauen ?

Ein Hauch, ein Mythos, ein Traum, eine Lüge.

Die Klischees stimmen, stimmen nicht, machen Sie sich Ihr eigenes Bild !

Hans Heiner Buhr, 10. Januar 2013

Georgier an einem Tisch im Freien
Georgier an einem Tisch im Freien